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Muscheln

Heute haben wir Fahrräder gemietet. Wir wollten nämlich zu einem Strand fahren, wo es ganz viele Bernsteine geben soll.

Jakob und Simon haben voll angegeben mit ihren Fahrrädern, weil die viel cooler waren als die, die sie zu Hause haben. Jakob hat gesagt, dass ich schon mal Tschüss sagen soll, weil ich gleich sowieso nur noch ihre Rücklichter sehe, und Simon hat gesagt, mein Fahrrad ist so eine Krücke, das muss ich zum Strand schieben, wenn ich heute überhaupt noch mal da ankommen will.

Da hab ich Tschüss gesagt und bin losgerast wie verrückt. So schnell, dass die beiden nur noch mein Rücklicht gesehen haben. Bis zum Strand bin ich geflitzt und Jakob und Simon haben es nicht geschafft, mich zu überholen. Tja, selber schuld, ihr Blödbrüder!

Am Strand hab ich gleich ganz viele Bernsteine gefunden, aber Papa hat gesagt, dass das nur normale gelbe Steine sind. Und dass man Bernsteine daran erkennt, dass sie ein bisschen weicher sind als richtige Steine. Und dass die Leute früher Bernstein verbrannt und damit geheizt haben.

Oh Mann Papa! Im Urlaub versucht er immer, ein bisschen komisch zu sein. Aber das muss er wohl noch üben. Weiß doch jeder, dass man Steine nicht verbrennen kann!

Dann hat Jakob eine tote Möwe gefunden, die war voller Fliegen. Bäh, voll eklig. Wir haben die Möwe im Sand beerdigt und das Grab schön verziert, so mit Steinen und Muscheln und Federn.

Als wir fertig waren, haben Jakob und Simon angefangen, sich mit Quallen zu bewerfen. Aber ich hab lieber nach besonders schönen Muscheln gesucht.

Papa hat mir die Bernsteine gezeigt, die er schon gefunden hat. Die waren aber winzig klein. Da hat Mama gesagt, ihre Bernsteine sind viel größer und Papa hat gesagt, das sind ja auch keine Bernsteine, sondern auch normale gelbe Steine. Und da hat Mama ihre normalen gelben Steine in den Sand geworfen und auch lieber nach Muscheln gesucht.

Als wir abends wieder in unserem Ferienhaus waren, hatten wir einen Eierbecher voller winzig kleiner Bernsteine. Und einen ganzen Eimer voller Muscheln, Steine, Schneckenhäuser, Schrauben, abgeschliffener Glasscherben, dänischer Kronkorken und Krebsscheren.

Papa hat gesagt, der Eimer kommt ihm nicht ins Haus, weil die Krebsscheren und die Schneckenhäuser so gestunken haben. Aber ich glaub, er war nur neidisch, weil wir viel mehr schöne Sachen gefunden haben als er.

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Das Ding aus dem Meer

Leider regnet es heute. Das ist ja eigentlich nicht so schlimm, aber gestern hat es auch schon geregnet und deshalb sind meine Gummistiefel noch ganz nass. Und zwar auch von innen. Weil Jakob und Simon und ich nämlich gestern Das Ding aus dem Meer gespielt haben. Und dass das Ding aus dem Meer nasse Füße haben muss, ist ja wohl klar, oder?

Aber das macht nichts, weil ich nämlich heute mit Mama in einen Supermarkt gefahren bin. Dänische Supermärkte sind ganz anders als deutsche. Der hier zum Beispiel hieß Kvickly. Und wenn Papa nicht mit dabei ist, dann kauft Mama viel mehr interessante Sachen. Und dabei helf ich ihr!

Zum Beispiel hab ich heute durchsichtige Cola gefunden, die hieß Klarcola. Die sieht aus wie Wasser, bloß mit Colageschmack. Also, da weiß ich jetzt schon, dass Papa wieder was zu meckern hat. Der will ja auch im Urlaub am liebsten, dass wir immer Apfelschorle trinken, wie zu Hause. Aber Urlaub ist ja schließlich was ganz besonderes und da will man ja auch mal was Besonderes trinken. Also hab ich die Cola in den Einkaufswagen gepackt. Zu den Fiskeboller, das waren so Fischklößchen in Dosen. Bäh, die darf Papa gerne essen! So lange machen die Jungs und ich uns dann Hot Dogs. Mit diesen knallroten Würstchen und Röstzwiebeln und Remoulade, hmmm!

Mama hat auch gar nichts gesagt, als ich die Cola zu den Fischklößchen gelegt hab. Sie hat nämlich gerade beim Trinkjoghurt geguckt und konnte sich wohl nicht entscheiden, ob sie den mit Jordbaer – oder den mit Appelsin – Geschmack nimmt. Da hab ich schnell noch zwei Packungen Belegschokolade in unseren Wagen getan. Die, die man sich morgens aufs Brötchen legt. Und dann natürlich noch Lakritz und diese Kekse, die aussehen wie Busse.

Als wir an der Kasse standen, war da ganz schön viel Fisch in unserem Einkaufswagen. Aber zum Glück auch voll die leckeren Sachen! Bloß Mama, die hat ein bisschen erschrocken geguckt, als sie bezahlen musste. Na ja, selber schuld, wenn sie so viele Gläser mit Muscheln in Sherrysoße kauft. Und Fischpaste in der Tube und SildKarryÖresundAkvavit. Oder?

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Ferien

Hoffentlich könnt ihr meine Schrift lesen. Wir sitzen nämlich gerade im Auto und fahren in den Urlaub. Und zwar nach Dänemark. Da haben wir ein Sommerhaus gemietet, für drei Wochen. Wir fahren meistens nach Dänemark in ein Sommerhaus, wenn Sommerferien sind. Aber ich hab noch nie versucht, auf der Fahrt Tagebuch zu schreiben. Und ich merk auch gerade, dass das keine besonders gute Idee ist: Wenn Papa über einen Hubbel fährt, dann hubbelt meine Schrift nämlich auch. Und wenn Papa um eine Kurve fährt, dann schreib ich auch um die Kurve. Und dann kann das ganz schnell mal passieren, dass ein „R“ oder ein „S“ sich über die ganze Seite verteilt.

Aber das Schlimmste am Schreiben beim Autofahren ist natürlich, dass ich ja immer zwischen meinen beiden Blödbrüdern sitzen muss. Das ist ja normal schon schlimm, aber wenn ich dabei auch noch versuch, was zu schreiben, dann ist es voll die Strafe. Echt!

Jakob hat mich die ganze Zeit angestoßen. Mit Absicht natürlich! Und wenn ich mich dann verschrieben hab, dann hat er gerufen: „Lotta ist zu doof zum Schreiben! Lotta ist voll das Kindergartenbaby!“

Und Simon, der hatte so einen Stempel dabei mit einem Monster drauf. Und ständig hat er mir Monster auf mein Papier gestempelt.
Aber wehe, wenn ich die Jungs dann gekniffen und mit meinem Stift gepiekst hab! Dann gab’s natürlich gleich wieder Geschrei und Rumgeheule und ich hab den Ärger gekriegt. Typisch!

Aber wartet nur, Jungs. Wer zuletzt lacht, lacht am besten! Ihr werdet euch noch wundern, wenn ich euch Knoten in die Schlafanzüge mache und die Luft aus euren Gummitieren rauslasse und euch am Strand mit Quallen bewerfe!

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Arena Verlag