Illustration

Schulfotograf I

Heute war der Schulfotograf da. Weil wir das vorher schon wussten, haben wir uns extra schick angezogen. Ich hatte mein neues grünes Kleid an und Cheyenne so ein rosanes mit Rüschen.

Aber leider ist mir auf dem Schulhof irgendwas ins Auge geflogen, eine Mücke oder so. Das hat voll gebrannt! Ich hab das Auge gar nicht mehr aufgekriegt und als ich gerieben hab, wurde es noch schlimmer. Das Auge hat getränt und ich konnte überhaupt nichts mehr sehen. Deshalb bin ich dann auch noch über eine Schultasche gefallen, die da so auf dem Schulhof rumstand. Und dann bin ich mit der Stirn gegen einen Baum geknallt. Das war eine Birke, glaub ich. Auf jeden Fall hatte der eine total kratzige Rinde, der Baum, und anschließend war meine Stirn auch aufgekratzt und hat ein bisschen geblutet.

Cheyenne hat mich reingeführt in die Aula, wo der Schulfotograf war. Aber der hat gesagt, so kann er mich nicht fotografieren. Und ich soll erst mal zur Sekretärin gehen und mir ein Pflaster holen.

Dabei hatte ich doch voll gut aufgepasst, dass kein Blut auf mein neues grünes Kleid kommt!

Geburtstagskuchen II

… „Oh, das ist gut“, hab ich gesagt. Und zwar, weil ich wusste, wo Papas Bierflaschen stehen. Ich hab eine Flasche geholt und wir haben sie aufgemacht und in den Teig gegossen. Dann sollte auch noch Backpulver rein, aber Mama hatte bloß so winzig kleine Tütchen gekauft. Also haben wir alle sieben Tütchen genommen, die da waren. Immerhin hatten wir ja auch vierhundert Gramm Mehl. Oder viertausend oder so. Und dann haben wir noch alles andere in unseren Teig getan, was im Rezept stand.

Illustration

Alles zusammen haben wir dann in einen Kochtopf gefüllt und in den Ofen gestellt. Dann haben wir den Ofen voll aufgedreht und gewartet. Aber das war total langweilig und deshalb sind wir lieber raus gegangen. Wir haben im Garten „Tiere raten“ gespielt. Aber gerade, als ich mir als Tier „Qualle“ ausgedacht hab, haben wir Mama gehört. Sie hat nämlich voll laut geschrien. Da sind wir lieber wieder reingegangen.
Oh weia! Der Kuchen kam uns fast schon in der Küchentür entgegen! Er war nämlich viel größer geworden als der Topf und dann ist er unten beim Backofen rausgelaufen. Außerdem hat es so verbrannt gerochen. Und ein bisschen nach Bier.

Mama war voll stinkig und hat gesagt, sie lässt uns nicht aus der Küche raus, bevor nicht alles wieder pikobello sauber ist. Menno!
Wir haben so ungefähr zwei Stunden geschrubbt, bis Mama endlich zufrieden war. Zwischendurch haben wir ein bisschen vom Kuchen genascht, nur so zur Stärkung. Aber der hat ziemlich komisch geschmeckt, der Kuchen. So, wie wenn man sich übergeben muss.

Cheyenne hat ihn trotzdem mit nach Hause genommen, für ihre Mami.

Illustration

Geburtstagskuchen I

Morgen hat Cheyennes Mutter Geburtstag. Und obwohl Cheyenne doch schon ein tolles Geschenk hat, ist ihr heute eingefallen, dass sie unbedingt noch einen Kuchen backen muss. Und zwar bei mir zu Hause.

„Ist doch klar, Mann“, hat Cheyenne mir gesagt. „Wenn ich den bei uns back, dann merkt Mami doch was und dann ist das keine Überraschung mehr!“

Und deshalb ist sie nachmittags zu mir nach Hause gekommen. Sie wusste auch schon ganz genau, welchen Kuchen sie backen wollte. So eine rosa Sahnetorte nämlich mit Erdbeeren und Zuckerschrift oben drauf. Die hat sie mal in der Fernsehzeitschrift gesehen. Allerdings wusste sie nicht, wie die geht, und deshalb sollte ich Mama fragen, ob sie uns hilft.

Illustration

Aber Mama hat nur gesagt, sie hat überhaupt gar keine Sahne da und Erdbeeren schon lange nicht, weil ja schließlich August ist. Und wenn wir schon unbedingt in ihrer Küche werkeln müssen, dann sollen wir uns das Rezept für Marmorkuchen aus dem Kochbuch raussuchen. Und bloß nachher die Küche wieder saubermachen, wenn wir fertig sind!
Oh Mann, Mama!

Wir haben das dann aber trotzdem gemacht, weil uns nichts Besseres eingefallen ist. Ich hab eine Schüssel rausgeholt und wir haben Butter, Mehl und Zucker reingetan. Oder Salz, das konnte man nicht so genau erkennen. Danach waren die Eier dran. Leider haben wir sieben Eier gebraucht und nicht fünf, weil zwei auf den Fußboden gefallen sind. Als nächstes stand da „Rum-Aroma“ im Rezept und da wusste ich nicht, was das war. Aber Cheyenne hat gesagt, dass Rum immer was mit Alkohol ist, und wenn kein Rum im Haus ist, dann kann man auch anderen Schnaps nehmen.

Arena Verlag