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Zeugnistag

Heute war der allerletzte Schultag vor den Sommerferien. Das einzig Doofe daran war, dass es Zeugnisse gegeben hat. Aber meins war ganz schön gut, echt. Auf jeden Fall besser als das von Cheyenne. Und zwar in fast allen Fächern. Bloß in Musik, da hatte ich eine Vier und Cheyenne eine Drei.

„Das ist doch voll egal“, hat Cheyenne da gesagt. „Hauptsache Ferien.“ Und da hatte sie so was von recht, find ich!

Pauls Zeugnis war noch besser als meins. Aber das sieht man ja schon an seiner Brille, dass Paul voll klug ist. Da ist es dann ja wohl auch normal, dass er so ein gutes Zeugnis hat. Vor allem in Mathe. Und in Deutsch.

Berenike hat natürlich voll angegeben mit ihrem Zeugnis. Und zwar, weil sie fast nur Einsen hatte. War ja klar, oder? Immer kriegt Berenike das Beste, egal von was! Und dabei hat sie schon die reichsten Eltern und ein eigenes Pferd und total gut Geige spielen kann sie auch noch.

„Meine Eltern haben mir einen neuen Sattel versprochen, wenn ich ein tolles Zeugnis hab“, hat sie gesagt und dabei so mit ihrem Zeugnis rumgewedelt und zufrieden gegrinst. Die blöde Kuh!

Aber ich war schon ein bisschen froh, dass mein Zeugnis nicht so gut war wie das von Berenike. Weil, sonst hätte ich ja vielleicht auch einen Sattel gekriegt. Und was soll ich denn bloß mit einem Sattel? Ich hab ja gar kein Pferd.

Cheyenne hat ihr Zeugnis in die Schultasche gestopft, dass es total knitterig geworden ist. Und dann hat sie einen Schreck gekriegt, weil Frau Kackert gesagt hat, nach den Ferien sollen wir die Zeugnisse wieder mitbringen. Und zwar von unseren Eltern unterschrieben. Und da hat sie mich angeguckt. So flehentlich irgendwie. Aber nee, Cheyenne, das kannst du vergessen. Dein Zeugnis unterschreib ich dir nicht. Sonst bin ich am Ende wieder die, die Ärger kriegt!

Hurra, Sommerferien!!!

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Arena Verlag